Meine Schokolade und dein Bausparvertrag
Auf der Londoner Börse steht der ICE heute auf £ 1.838 und in New York auf $ 2.330
„Diskretion!“, „zitieren sie mich nicht!“, „keine Namen!“ Es sind diese Art von Bemerkungen, die mich in Gesprächen mit Händlern daran erinnern, dass Schokolade Big Business ist.
Die Zahlen hier oben sind die strahlenden Sterne des Kakao-Universums und beziehen sich auf sogenannte Futures. Mit einem Future kaufst du das Recht, an einem zukünftigen Zeitpunkt eine Standardmenge Kakao gegen einen festgelegten Preis zu kaufen. Die Zeit, die man jetzt hat, bietet Raum für Spekulation. Und genau das wird dann auch damit betrieben.
Jetzt trifft zum Beispiel dein Bausparvertrag auf meine geliebte Schokolade. Große Anleger wie Banken und Versicherungsfirmen stecken Ihr Kapital, also auch dein Geld, in Futures und hoffen das die Zahlen an den Börsen sich in die gewünschte Richtung bewegen ohne das sie das geringste Interesse an dem Rohstoff Kakao haben.
Das gleichzeitig mit den Schwankungen der Zahlen an der Börse auch die Lebensumstände Millionen kleiner Bauern beeinflusst werden, ist dabei völlige Nebensache.
Klar "es gibt doch Fair Trade!” hör ich dich sagen. Ja, da hast du recht. Aber der neue Fair Trade Minimum Preis liegt jetzt bei €2400 für 1000kg Kakao plus einer Prämie von €240. Das reicht für den Kakaobauern nicht. Um ein sogenanntes Living Income (ein Einkommen wovon der Bauer leben kan) zu erreichen sollte mindestens ein Drittel draufgelegt werden. Also €3500 für 1000kg wäre gerecht.
Wenn du im Supermarkt eine Tafel Schokolade kaufst, wirst du bestimmt nicht versuchen den Preis runter zu handeln. Warum zahlen wir dann nicht den Preis den der Kakaobauer verlangt? Bei Prämien, die wir aus Grosszügigkeit verteilen, bleiben die Kakaobauern abhängig von unseren Wohltaten. Und sowas riecht mächtig nach Neo-Kolonialismus. Viele Siegel und Zertifizierungen sind aus guten Absichten entstanden, aber mit der Zeit zum Beruhigungsmittel unseres Gewissens geworden.
Die Problematik vom "gerechten" Preis spielt aber nicht nur in Entwickelungsländer eine Rolle. Erstaunt habe ich gehört, das in Frankreich dieses heimische Fair Trade Projekt läuft, beidem die Bauern um ehrliche Preise kämpfen.
In der Schokoladenwelt ist das Kollektiv Kokoa Kamili ein leuchtendes Beispiel für Kakaobohnen von hoher Qualität aus Afrika (Tanzania) für die ein ehrlicher Preis bezahlt wird. Mehr als 200 Bauern liefern ihre frischen Bohnen an das Kollektiv, das dann für die zentrale Fermentierung sorgt. Weiterhin wird vom Kollektiv die Bio-Zertifizierung und Schulung der Bauern organisiert.
Einige Bean to Bar Herstellern benutzen mittlerweile die Trinitario Bohnen von Kokoa Kamili. Ich habe zwei ausgewählt: Twenty-Four Blackbirds aus Kalifornien und Svenska Kakaobolaget aus Schweden. Der Vergleich dieser Marken ist interessant weil Sie beide den gleichen Zucker vom Green Cane Project benutzen.
Twenty-Four Blackbirds 75% Kokoa Kamili heisst diese Tafel. Glänzend mit der typischen rötlichen Farbe dieser Kakaosorte liegt die Tafel vor mir. Der Duft ist voll und buttrig, süß mit einem Versprechen von Obst. Beim Brechen der Tafel gibt es nur ein mattes Knack-geräusch.
So bald ein Stück meine Zunge berührt, fängt das Schmelzen an. Und OOH... so wohltuend ist dieser Geschmack. Das Obstversprechen wird eingelöst: leicht und frisch schmecke ich rote Johannisbeeren mit dem Aroma von Himbeeren. Erst im Nachgeschmack kommt das Kakaoaroma hervor. Voll und robust.
Weiter geht es mit der Tafel: Tanzania Kokoa Kamili, 2017 Harvest 74% von Svenska Kakaobolaget.
Auch diese Tafel ist rot glänzend. Hier höre ich einen hellen, klaren Knack beim Zerbrechen. Der Hersteller hat sich für eine kräftige Röstung entschieden und diese gibt der Schokolade eine dunkle Note. Das Mundgefühl ist ein wenig staubig, aber auch diese Tafel schmilzt direkt.
Ich habe den Eindruck, dass durch die kräftige Röstung die süße Seite des Kakaos hervortritt. Das Mokka-Aroma fügt eine tiefe Farbe der Farbpalette der Schokolade ein, ohne das die natürliche Frische verloren geht. Auch im Nachgeschmack sind beide Richtungen wieder zu finden. Wie ein Zusammenspiel von zwei kräftigen Gegnern. Wirklich gut gemacht.
Weil beide Tafeln so schön sind hab ich sie porträtiert.
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