Schokolade....hilfe?
Schokolade hat mit vielen der grossen Themen dieser Zeit zu tun. Deshalb beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit Kakao und Schokolade. Da Schokolade die Kraft hat, Menschen in ihren Bann zu ziehen, kommt es, dass der ein oder andere Wissenschaftler und Entwicklungshelfer sich entscheidet in die Schokoladenproduktion einzusteigen.
So ist die Deutsche Marke Peru Puro von zwei tropischen Agrarbiologen gegründet worden. Obwohl Dr. Frauke Fischer und Dr. Arno Wielgoss die Absicht und noch immer das Ziel haben, die Regenwälder zu schützen, müssen sie nebenbei auch achttausend Kilo Kakaobohnen zu Schokolade verarbeiten und verkaufen. Diese Herausforderung neben der wissenschaftlichen Arbeit zu vollbringen ist keine leichte Sache. Vor allem deswegen nicht, weil die beiden es auch richtig gut und gewissenhaft durchführen möchten. Sie bezahlen weit, weit über den Marktpreis. Die Marke ist natürlich bio-zertifiziert und sogar der Transport wird nur mit einer kontrollierbaren deutschen Reederei getätigt, damit bloss kein Matrose unterbezahlt wird. Das ganze lässt sich in den Preisen dieser Tafeln wieder finden und ist meiner Meinung nach völlig berechtigt, denn es handelt sich hier um eine der besten und ältesten Kakaosorten der Welt: den Chuncho.
Den Chuncho-Kakao gibt es nur in drei Regionen von Peru. Die wichtigste ist die Region Cusco. Leider werden die Namen Chuncho und Cusco durcheinander verwendet, haben aber nicht die gleiche Berechtigung. Obwohl der meiste Chuncho aus Cusco kommt ist nicht aller Kakao aus Cusco ein Chuncho. Für die Freaks unter uns habe ich nachgefragt, es gibt sogar fast 60 Untersorten der Chunchobohne.
Peru Puro lässt ihre Tafeln von der Schweitzer Firma Felchlin herstellen. Die Produktion in Europa und nicht in Peru stattfinden zu lassen ist eine bewusste Entscheidung. Die Produktion in Peru würde nur wenigen Menschen zugute kommen. Dass Gesamtpaket von Agrarmassnahmen bezieht sich auf ganze Dorfgemeinschaften und verhilft ihnen zu einem stabilen Einkommen. In diesem Sinne versucht der ziemlich kleine Produzent Peru Puro den bestmöglichen Effekt zu erreichen.
Die Marke Peru Puro ist fast nur in Deutschland erhältlich.
In Holland gibt es ein Pendant dazu: die Marke Chocolatemakers, welche ich gerne zum Vergleich daneben stelle. Die Gründer dieser Amsterdamer Marke, Rodney Nikkels en Enver Loke, kennen einander aus ihrer Studienzeit an der Universität, wo sie tropische Landwirtschaft studierten. Wollten sie zuerst die Welt als Entwicklungshelfer verbessern, sind sie nun Eigner einer Schokoladenfabrik in Amsterdam und beteiligt an einer Fabrik in Peru.
Auch Sie bezahlen weit über den Marktpreisen, ihre Schokolade ist bio-zertifiziert und das neue Fabrikgebäude in Amsterdam-Nord wird sogar CO2 neutral von Sonnenenergie betrieben. Sie haben aber kein Programm zum Erhalt des Regenwaldes.
Der von Ihnen benutzte Kakao ist kein Chuncho, aber eine Criollo-Sorte. Sie kaufen diese Bohnen von einem Kollektiv der einheimischen Awajun-Indianer. Durch das Einkommen vom Kakao brauchen die Indianer keinen Wald zu roden um Geld zu verdienen. So trägt auch diese Schokolade zum Erhalt des Regenwaldes bei.
Chocolatemakers produzieren ihre eigenen Tafeln in Amsterdam für den europäischen Markt. Die Fabrik in Peru, an der sie beteiligt sind, produziert größtenteils für den heimischen Markt. Dabei finden ein gegenseitiger Austausch und Unterstützung statt. Der Gründer Enver Loke ist der Meinung das in kakaoproduzierenden Ländern vor Ort mehr Halbfabrikate gemacht werden sollten.
Insgesamt gibt es viele Parallelen zwischen Peru Puro und Chocolatemakers, aber auch ganz klare Unterschiede in Produktion und Ansichten.
Aber am Ende gibt es Schokolade und für mich liegt die Wahrheit im Geschmack.
Jetzt mal Probieren:
Ich fange an mit der Peru Puro Chuncho Gold 52% Tafel, hergestellt von Chuncho-Kakao aus dem Urubambatal.
Mit 52% befindet sich diese Tafel zwischen Milch und Zartbitter, oft bezeichnet als dunkle Milch Schokolade. Die Tafel lässt sich leicht brechen, was mit 25 Grad Celsius Aussentemperatur öfter passiert. Vom "krak" Geräusch bleibt nur ein sanftes "plop" übrig. Der Geruch ist sehr eigensinnig mit etwas Mokka und einem Hauch von Pfeifentabak. Im Mund bekomme ich ein sahniges Gefühl und das Schmelzen fängt direkt an. Diese Tafel hat dann doch die Süsse, die bei Milchschokolade passt, aber der Mokka-Ton bleibt erhalten. Die Suche nach Säure- oder Obst-Tönen ist hier fehl am Platz. Nur im Nachgeschmack gibt es zur Abwechslung eine leichte Oregano-Bitterheit worüber ich mich freue. Geschmack und Duft zusammen mit dem rahmigen Mundgefühl lässt mich an Cupuazú denken, der Verwandte aus der Theobroma-Familie.
Obwohl die Verpackung mir etwas zu hochgestochen ist mit dem Begriff von "Grand Cru Urkakao" in Goldbuchstaben, ist diese Tafel insgesamt doch eine süsse Verwöhnerei von hohem Niveau.
Nun weiter mit den Chocolatemakers 80% puur Peru Awajún, eine Criollo-Kakao Tafel. Diese Tafel hat eine schöne dunkle Farbe. Hier gibt es nun einen leichtes "krak" zu hören. Sie hat einen prickelnden Duft mit Kräutercharakter vermischt mit dem Duft von frischen Holzspänen im Sägewerk. Auch rieche ich etwas von geröstetem Kaffee. Eine beispielhafte Schnuppertafel. Es braucht ein wenig Zeit bevor das Schmelzen anfängt, aber dann bin ich freudig überrascht. Während im Hintergrund eine stabile Süsse als Träger fungiert, kommen doch regelmäßich saure Aromen an die Oberfläche. Ich bin mir nicht sicher, ob es insgesamt so gewünscht ist oder ob die Säuren sich einfach nicht weg conchieren liessen. Jedenfalls freue ich mich über ihre Anwesenheit weil sie die Tafel spannender machen. Im Nachgeschmack lassen sich die Säuren am stärksten zurückverfolgen.
Vielleicht keine Spitzentafel aber eine gute Alternative, wenn man in Holland etwas besseres als das Supermarktangebot kaufen will, ohne direkt ins höhere Preissegment zu geraten.
So ist die Deutsche Marke Peru Puro von zwei tropischen Agrarbiologen gegründet worden. Obwohl Dr. Frauke Fischer und Dr. Arno Wielgoss die Absicht und noch immer das Ziel haben, die Regenwälder zu schützen, müssen sie nebenbei auch achttausend Kilo Kakaobohnen zu Schokolade verarbeiten und verkaufen. Diese Herausforderung neben der wissenschaftlichen Arbeit zu vollbringen ist keine leichte Sache. Vor allem deswegen nicht, weil die beiden es auch richtig gut und gewissenhaft durchführen möchten. Sie bezahlen weit, weit über den Marktpreis. Die Marke ist natürlich bio-zertifiziert und sogar der Transport wird nur mit einer kontrollierbaren deutschen Reederei getätigt, damit bloss kein Matrose unterbezahlt wird. Das ganze lässt sich in den Preisen dieser Tafeln wieder finden und ist meiner Meinung nach völlig berechtigt, denn es handelt sich hier um eine der besten und ältesten Kakaosorten der Welt: den Chuncho.
Den Chuncho-Kakao gibt es nur in drei Regionen von Peru. Die wichtigste ist die Region Cusco. Leider werden die Namen Chuncho und Cusco durcheinander verwendet, haben aber nicht die gleiche Berechtigung. Obwohl der meiste Chuncho aus Cusco kommt ist nicht aller Kakao aus Cusco ein Chuncho. Für die Freaks unter uns habe ich nachgefragt, es gibt sogar fast 60 Untersorten der Chunchobohne.
Peru Puro lässt ihre Tafeln von der Schweitzer Firma Felchlin herstellen. Die Produktion in Europa und nicht in Peru stattfinden zu lassen ist eine bewusste Entscheidung. Die Produktion in Peru würde nur wenigen Menschen zugute kommen. Dass Gesamtpaket von Agrarmassnahmen bezieht sich auf ganze Dorfgemeinschaften und verhilft ihnen zu einem stabilen Einkommen. In diesem Sinne versucht der ziemlich kleine Produzent Peru Puro den bestmöglichen Effekt zu erreichen.
Die Marke Peru Puro ist fast nur in Deutschland erhältlich.
In Holland gibt es ein Pendant dazu: die Marke Chocolatemakers, welche ich gerne zum Vergleich daneben stelle. Die Gründer dieser Amsterdamer Marke, Rodney Nikkels en Enver Loke, kennen einander aus ihrer Studienzeit an der Universität, wo sie tropische Landwirtschaft studierten. Wollten sie zuerst die Welt als Entwicklungshelfer verbessern, sind sie nun Eigner einer Schokoladenfabrik in Amsterdam und beteiligt an einer Fabrik in Peru.
Auch Sie bezahlen weit über den Marktpreisen, ihre Schokolade ist bio-zertifiziert und das neue Fabrikgebäude in Amsterdam-Nord wird sogar CO2 neutral von Sonnenenergie betrieben. Sie haben aber kein Programm zum Erhalt des Regenwaldes.
Der von Ihnen benutzte Kakao ist kein Chuncho, aber eine Criollo-Sorte. Sie kaufen diese Bohnen von einem Kollektiv der einheimischen Awajun-Indianer. Durch das Einkommen vom Kakao brauchen die Indianer keinen Wald zu roden um Geld zu verdienen. So trägt auch diese Schokolade zum Erhalt des Regenwaldes bei.
Chocolatemakers produzieren ihre eigenen Tafeln in Amsterdam für den europäischen Markt. Die Fabrik in Peru, an der sie beteiligt sind, produziert größtenteils für den heimischen Markt. Dabei finden ein gegenseitiger Austausch und Unterstützung statt. Der Gründer Enver Loke ist der Meinung das in kakaoproduzierenden Ländern vor Ort mehr Halbfabrikate gemacht werden sollten.
Insgesamt gibt es viele Parallelen zwischen Peru Puro und Chocolatemakers, aber auch ganz klare Unterschiede in Produktion und Ansichten.
Aber am Ende gibt es Schokolade und für mich liegt die Wahrheit im Geschmack.
Jetzt mal Probieren:
Ich fange an mit der Peru Puro Chuncho Gold 52% Tafel, hergestellt von Chuncho-Kakao aus dem Urubambatal.
Mit 52% befindet sich diese Tafel zwischen Milch und Zartbitter, oft bezeichnet als dunkle Milch Schokolade. Die Tafel lässt sich leicht brechen, was mit 25 Grad Celsius Aussentemperatur öfter passiert. Vom "krak" Geräusch bleibt nur ein sanftes "plop" übrig. Der Geruch ist sehr eigensinnig mit etwas Mokka und einem Hauch von Pfeifentabak. Im Mund bekomme ich ein sahniges Gefühl und das Schmelzen fängt direkt an. Diese Tafel hat dann doch die Süsse, die bei Milchschokolade passt, aber der Mokka-Ton bleibt erhalten. Die Suche nach Säure- oder Obst-Tönen ist hier fehl am Platz. Nur im Nachgeschmack gibt es zur Abwechslung eine leichte Oregano-Bitterheit worüber ich mich freue. Geschmack und Duft zusammen mit dem rahmigen Mundgefühl lässt mich an Cupuazú denken, der Verwandte aus der Theobroma-Familie.
Obwohl die Verpackung mir etwas zu hochgestochen ist mit dem Begriff von "Grand Cru Urkakao" in Goldbuchstaben, ist diese Tafel insgesamt doch eine süsse Verwöhnerei von hohem Niveau.
Nun weiter mit den Chocolatemakers 80% puur Peru Awajún, eine Criollo-Kakao Tafel. Diese Tafel hat eine schöne dunkle Farbe. Hier gibt es nun einen leichtes "krak" zu hören. Sie hat einen prickelnden Duft mit Kräutercharakter vermischt mit dem Duft von frischen Holzspänen im Sägewerk. Auch rieche ich etwas von geröstetem Kaffee. Eine beispielhafte Schnuppertafel. Es braucht ein wenig Zeit bevor das Schmelzen anfängt, aber dann bin ich freudig überrascht. Während im Hintergrund eine stabile Süsse als Träger fungiert, kommen doch regelmäßich saure Aromen an die Oberfläche. Ich bin mir nicht sicher, ob es insgesamt so gewünscht ist oder ob die Säuren sich einfach nicht weg conchieren liessen. Jedenfalls freue ich mich über ihre Anwesenheit weil sie die Tafel spannender machen. Im Nachgeschmack lassen sich die Säuren am stärksten zurückverfolgen.
Vielleicht keine Spitzentafel aber eine gute Alternative, wenn man in Holland etwas besseres als das Supermarktangebot kaufen will, ohne direkt ins höhere Preissegment zu geraten.
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